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Alle Beteiligten sehen die Schule als ihre an!
Diese Aussage soll sich als zentraler Wert im Anliegen aller an unserer Schule Beteiligten dadurch äußern, dass voneinander lernen, die Sichtweise von Schule als Gemeinschaft von SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen und MitarbeiterInnen, die besondere Berücksichtigung einer interkulturellen Pädagogik als zentrale Leitideen unserer schulischen Arbeit deutlich werden.
Ausgehend von diesem gemeinsam verantworteten Leitbild soll im weiteren Arbeitsprozess eine Ist-Soll-Analyse zum Abgleich der Bestandsaufnahme mit den Zielen unserer Schule führen.
Dafür haben wir zunächst mit
der Sozialarbeit, der elterlichen Erziehung, der Unterrichtsarbeit, der Berufsorientierung und dem Ganztagsangebot
fünf zentrale inhaltliche Bausteine unseres Schulprogramms ausdifferenziert.
Die für unsere nächsten Gesamtkonferenzen geplanten Tagesordnungspunkte zur Umsetzung, Durchführung und Weiterentwicklung des Schulprogramms verstehen wir gleichzeitig als permanente Evaluation der Qualität unserer schulischen Arbeit. Damit bleibt für uns die Schulprogrammentwicklung ein fortlaufender dynamischer Prozess.
Standortfaktoren I – Inneres Profil
242 SchülerInnen werden in unserer Schule in 12 Regelklassen unterrichtet. Unsere SchülerInnen stammen aus 15 verschiedenen Nationen; sie kommen überwiegend aus Syrien, der Türkei, dem Libanon, dem Irak oder aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Zählen wir die deutschen SchülerInnen mit ausländischer Herkunft hinzu (und auch auf sie als Migranten müssen wir z. B. im Hinblick darauf, dass Deutsch ihre Zweitsprache ist, im Unterricht Rücksicht nehmen), so erhöht sich dieser Anteil auf ca. 35%.
Unsere Schule bietet das einzige Hauptschulangebot im Stadtteil Barenburg. Dies bedeutet:
· wir nehmen SchülerInnen aus zwei verschiedenen Grundschulen auf,
· wir nehmen schulbezirksübergreifend GrundschülerInnen auf, die das Ganztagsangebot der Barenburgschule nutzen wollen,
· wir sind eine Hauptschule für SchulformwechslerInnen, die aus der Realschule und den beiden Emder Gymnasien kommen,
· wir sind die zunächst angesprochene Hauptschule für die Zuweisung von AsylbewerberInnen und sozial Schwachen,
· wir nehmen zunehmend SchülerInnen auf, die aufgrund von Ordnungsmaßnahmen anderer Hauptschulen der Barenburgschule zugewiesen werden.
Es bedeutet aber auch, dass eine permanente Fluktuation von SchülerInnen stattfindet, insbesondere eine hohe Zahl von SeiteneinsteigerInnen während des Schuljahres aufzunehmen ist, d. h., konkret kommen noch nach Schuljahresbeginn pro Schuljahr durchschnittlich 15 SchülerInnen zu uns.
Aus diesen unterschiedlichen Nachfragesituationen resultieren verschiedene Ansprüche und Erwartungen, die an uns gestellt werden. Die Bandbreite reicht:
· von den unterschiedlichen weit auseinander liegenden Grundschulerfahrungen und Grundschulkenntnissen,
· über den speziellen Förderbedarf eines Migrantenkindes ohne Kenntnisse unserer Sprache und Kultur,
· über die kognitiv begabten RückläuferInnen aus der Realschule und den Gymnasien, die aufgrund besonderer Umstände in ihrer persönlichen Entwicklung oder Schullaufbahnentwicklung "schulmüde" bei uns ihre letzte Chance suchen,
· über den/die "vielleicht", "schon fast" FörderschülerIn, der/die bei besonderen Anstrengungen aller am pädagogischen Prozess Beteiligten doch noch die Regelschule schaffen könnte.
· bis zum/zur zugewiesenen HauptschülerIn, der/die hier eine weitere Chance erhalten soll, sich in eine Lerngemeinschaft zu integrieren.
Dies beschreibt ein Nachfragespektrum, auf das wir mit unserem Schulprogramm und unserem Handeln eine qualitative Antwort geben müssen.
Standortfaktoren II
Sie sollen das Umfeld unserer Schule beschreiben:
“Barenburg ist mit ca. 8500 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil Emdens; hier leben ca. 17% der Einwohner der Stadt. Aufgrund der Sozialstruktur und des negativen Images dieses Stadtteils ist eine hohe Fluktuation zu beobachten, bei der der Wegzug überwiegt.
Kennzeichnend für diesen Stadtteil ist der hohe Migrantenanteil, der stetig ansteigt. In diesem Stadtteil erhalten mehr als doppelt so viele Menschen staatliche Unterstützung in Form von Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe und Wohngeld wie im Emder Durchschnitt.
1998 waren über 30% der Kinder und Jugendlichen von der Sozialhilfe abhängig, im Stadt- durchschnitt ca. 14%. Markant und Ballungszentrum vieler für diesen Stadtteil typischen Problemlagen sind die beiden jeweils zehngeschossigen Hochhäuser mit insgesamt 320 Wohnungen.
Die Kriminalitätsrate im Stadtteil Barenburg ist doppelt so hoch wie im Stadtdurchschnitt; sie ist stetig ansteigend, während sie im Durchschnitt abnimmt.
In Barenburg bilden sich informelle Gruppen der Kinder- und Jugendszene, die ihre eigenen Treffpunkte organisieren. Die Gruppenzuordnung erfolgt durch gleiche Interessenlage, ethnische Herkunft oder Nachbarschaft. Die Umgangsformen innerhalb dieser Gruppen mit überwiegend männlichen Jugendlichen sind aggressiv, zotig und bewusst Tabus verletzend. Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppen werden mit Gewalt gelöst. Die Gruppen sind bis spät in der Nacht auf den Straßen des Stadtteils anzutreffen. Vandalismus, Diebstahl, Alkohol- und Drogenmissbrauch nehmen in diesen Gruppen zu. Zunehmend lässt sich auch die Bildung von informellen Mädchengruppen beobachten, für die eine steigende Aggressivität kennzeichnend ist.
Viele Kinder haben noch im Alter von 10 Jahren erhebliche Schreib- und Leseschwächen, große psychomotorische Defizite und Alters untypische Wahrnehmungsstörungen. In vielen Fällen nehmen die Eltern diese negativen Verhaltensweisen und Störungen ihrer Kinder nicht wahr oder sehen über sie hinweg, da sie sich nicht in der Lage sehen, ihnen zu begegnen. Elternarbeit in dieser Situation ist sicherlich schwierig, aber gleichwohl notwendig.
Barenburg trägt das Stigma des vernachlässigten Stadtteils, ein Stadtteil mit großen sozialen Problemen und geringer Aufenthaltsqualität.
Die Stadt Emden hat in den letzen Jahren erste Maßnahmen eingeleitet, um die Situation zu verbessern. Mittlerweile gibt es ein alternatives Angebot für Kinder und Jugendliche, das zunehmend genutzt wird.“*
*siehe auch Beiträge zur Stadtentwicklung, Bericht über das Ergebnis der vorbereitenden Untersuchung, Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt – Soziale Brennpunkte, Emden-Barenburg 1999
Aus diesem Anforderungsprofil – basierend auf einem Wertekonsens unserer pädagogischen Arbeit – ergeben sich Zielvorstellungen unserer Schule.
1. Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung
Die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung ist Ziel unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit, zugleich aber auch Voraussetzung und Basis für gelungene Lernprozesse. Darum beziehen wir in unsere Unterrichtsentwicklung die leistungsorientierte Sozialkompetenz mit ein.
Handlungskompetenz als Ziel schulischer Bildung und als Voraussetzung für berufliche Ausbildung setzt Identität und persönliche Autonomie voraus. Damit treten Ich-Kompetenz und Sozial- kompetenz als schulisches Lernziel neben die Sachkompetenz.
2. Entwicklung zur Ausbildungsfähigkeit
Der Berufswahl vorbereitende Unterricht hat die Aufgabe, den SchülerInnen zu helfen, ihre persönliche Interessenlage zu ergründen und sie auf die Berufs- und Arbeitswelt neugierig zu machen. Im Rahmen ihrer kognitiven und praktischen Fähigkeiten sollen sie lernen, sich in der Berufswelt zu orientieren.
Hierbei liegt ein Schwerpunkt darin, mithilfe eines in sich geschlossenen Praktikakonzeptes die Ausbildungsfähigkeit der SchülerInnen zu entwickeln und sie zu befähigen, unrealistische von realistischen Berufszielen zu unterscheiden, um ihre Ausbildungsplatzchancen zu erhöhen.
3. Interkulturelles Lernen
Als Schule mit einer multikulturellen Schülerschaft wollen wir durch interkulturelles Lernen die Herkunft unserer SchülerInnen nicht nur im Unterricht und Schulleben berücksichtigen und einbeziehen. Zusätzlich wollen wir über den Anfangsförderunterricht hinaus ihre Situation als SchülerInnen mit 'Deutsch als Zweitsprache' gerade auch im Fachunterricht nachhaltig verbessern.
Ergänzt werden soll dieser Aspekt der methodisch-didaktischen Unterrichtsentwicklung durch die Berücksichtigung interkultureller Inhalte. Sie können dann als roter Faden gerade für Migranten der 2. und 3. Generation wichtige Identifikationsangebote liefern.
4. Entwicklung zur gebundenen Ganztagsschule mit Realschulzug
Aufgrund der sozialen Problemlagen im Stadtteil Barenburg soll die offene Ganztagsschule zu einer gebundenen Ganztagsschule entwickelt werden, um den stadtteilspezifischen Anforderungen an Schule besser gerecht werden zu können.
Ein Realschulzug an der Barenburgschule soll die Attraktivität der Schule erhöhen und zur Aufwertung des Stadtteiles beitragen.
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