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Schulprogramm

Stand: 23. Februar 2010


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Steuergruppe:
Stand: 9. Oktober 2008

Frau Hoogestraat, Herr Harms, Herr Köster, Herr Runde,
Herr Settgast, Frau Strehl, Herr Wilke und Herr Böckmann.
 


Auszug aus dem Schulprogramm

Beschluss der Gesamtkonferenz vom 10. Mai 2005

 

                          
Alle Beteiligten sehen die Schule als ihre an!

Diese Aussage soll sich als zentraler Wert im Anliegen aller an unserer Schule Beteiligten dadurch
äußern, dass voneinander lernen, die Sichtweise von Schule als Gemeinschaft von SchülerInnen,
Eltern, LehrerInnen und MitarbeiterInnen, die besondere Berücksichtigung einer interkulturellen
Pädagogik als zentrale Leitideen unserer schulischen Arbeit deutlich werden.

Ausgehend von diesem gemeinsam verantworteten Leitbild soll im weiteren Arbeitsprozess eine
Ist-Soll-Analyse zum Abgleich der Bestandsaufnahme mit den Zielen unserer Schule führen.

Dafür haben wir zunächst mit

der Sozialarbeit,
der elterlichen Erziehung,
der Unterrichtsarbeit,
der Berufsorientierung und
dem Ganztagsangebot

fünf zentrale inhaltliche Bausteine unseres Schulprogramms ausdifferenziert.

Die für unsere nächsten Gesamtkonferenzen geplanten Tagesordnungspunkte zur Umsetzung,
Durchführung und Weiterentwicklung des Schulprogramms verstehen wir gleichzeitig als
permanente Evaluation der Qualität unserer schulischen Arbeit. Damit bleibt für uns die
Schulprogrammentwicklung ein fortlaufender dynamischer Prozess.

Standortfaktoren I – Inneres Profil

242 SchülerInnen werden in unserer Schule in 12 Regelklassen unterrichtet. Unsere SchülerInnen
stammen aus 15 verschiedenen Nationen; sie kommen überwiegend aus Syrien, der Türkei, dem
Libanon, dem Irak oder aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Zählen wir die deutschen
SchülerInnen mit ausländischer Herkunft hinzu (und auch auf sie als Migranten müssen wir z. B. im
Hinblick darauf, dass Deutsch ihre Zweitsprache ist, im Unterricht Rücksicht nehmen), so erhöht
sich dieser Anteil auf ca. 35%.

Unsere Schule bietet das einzige Hauptschulangebot im Stadtteil Barenburg.
Dies bedeutet:

· wir nehmen SchülerInnen aus zwei verschiedenen Grundschulen auf,

· wir nehmen schulbezirksübergreifend GrundschülerInnen auf, die das Ganztagsangebot der
 Barenburgschule nutzen wollen,

· wir sind eine Hauptschule für SchulformwechslerInnen, die aus der Realschule und den beiden
 Emder Gymnasien kommen,

· wir sind die zunächst angesprochene Hauptschule für die Zuweisung von AsylbewerberInnen und
 sozial Schwachen,

· wir nehmen zunehmend SchülerInnen auf, die aufgrund von Ordnungsmaßnahmen anderer
 Hauptschulen der Barenburgschule zugewiesen werden.

Es bedeutet aber auch, dass eine permanente Fluktuation von SchülerInnen stattfindet,
insbesondere eine hohe Zahl von SeiteneinsteigerInnen während des Schuljahres aufzunehmen ist,
d. h., konkret kommen noch nach Schuljahresbeginn pro Schuljahr durchschnittlich 15 SchülerInnen
zu uns.


Aus diesen unterschiedlichen Nachfragesituationen resultieren verschiedene Ansprüche und
Erwartungen, die an uns gestellt werden. Die Bandbreite reicht:

· von den unterschiedlichen weit auseinander liegenden Grundschulerfahrungen und
 Grundschulkenntnissen,

· über den speziellen Förderbedarf eines Migrantenkindes ohne Kenntnisse unserer Sprache und
 Kultur,

· über die kognitiv begabten RückläuferInnen aus der Realschule und den Gymnasien, die aufgrund
 besonderer Umstände in ihrer persönlichen Entwicklung oder Schullaufbahnentwicklung
 "schulmüde" bei uns ihre letzte Chance suchen,

· über den/die "vielleicht", "schon fast" FörderschülerIn, der/die bei besonderen Anstrengungen
 aller am pädagogischen Prozess Beteiligten doch noch die Regelschule schaffen könnte.

· bis zum/zur zugewiesenen HauptschülerIn, der/die hier eine weitere Chance erhalten soll, sich in
 eine Lerngemeinschaft zu integrieren.


Dies beschreibt ein Nachfragespektrum, auf das wir mit unserem Schulprogramm und unserem
Handeln eine qualitative Antwort geben müssen.


Standortfaktoren II

Sie sollen das Umfeld unserer Schule beschreiben:


“Barenburg ist mit ca. 8500 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil Emdens; hier leben ca.
17% der Einwohner der Stadt. Aufgrund der Sozialstruktur und des negativen Images dieses
Stadtteils ist eine hohe Fluktuation zu beobachten, bei der der Wegzug überwiegt.

Kennzeichnend für diesen Stadtteil ist der hohe Migrantenanteil, der stetig ansteigt. In diesem
Stadtteil erhalten mehr als doppelt so viele Menschen staatliche Unterstützung in Form von
Sozialhilfe, Arbeitslosenhilfe und Wohngeld wie im Emder Durchschnitt.

1998 waren über 30% der Kinder und Jugendlichen von der Sozialhilfe abhängig, im Stadt-
durchschnitt ca. 14%. Markant und Ballungszentrum vieler für diesen Stadtteil typischen
Problemlagen sind die beiden jeweils zehngeschossigen Hochhäuser mit insgesamt 320
Wohnungen.

Die Kriminalitätsrate im Stadtteil Barenburg ist doppelt so hoch wie im Stadtdurchschnitt; sie ist
stetig ansteigend, während sie im Durchschnitt abnimmt.

In Barenburg bilden sich informelle Gruppen der Kinder- und Jugendszene, die ihre eigenen
Treffpunkte organisieren.
Die Gruppenzuordnung erfolgt durch gleiche Interessenlage, ethnische Herkunft oder Nachbarschaft.
Die Umgangsformen innerhalb dieser Gruppen mit überwiegend männlichen Jugendlichen sind
aggressiv, zotig und bewusst Tabus verletzend. Auseinandersetzungen zwischen diesen Gruppen
werden mit Gewalt gelöst. Die Gruppen sind bis spät in der Nacht auf den Straßen des Stadtteils
anzutreffen. Vandalismus, Diebstahl, Alkohol- und Drogenmissbrauch nehmen in diesen Gruppen
zu. Zunehmend lässt sich auch die Bildung von informellen Mädchengruppen beobachten,
für die eine steigende Aggressivität kennzeichnend ist.

Viele Kinder haben noch im Alter von 10 Jahren erhebliche Schreib- und Leseschwächen, große
psychomotorische Defizite und Alters untypische Wahrnehmungsstörungen. In vielen Fällen nehmen
die Eltern diese negativen Verhaltensweisen und Störungen ihrer Kinder nicht wahr oder sehen über
sie hinweg, da sie sich nicht in der Lage sehen, ihnen zu begegnen. Elternarbeit in dieser Situation
ist sicherlich schwierig, aber gleichwohl notwendig.

Barenburg trägt das Stigma des vernachlässigten Stadtteils, ein Stadtteil mit großen sozialen
Problemen und geringer Aufenthaltsqualität.

Die Stadt Emden hat in den letzen Jahren erste Maßnahmen eingeleitet, um die Situation zu
verbessern. Mittlerweile gibt es ein alternatives Angebot für Kinder und Jugendliche, das
zunehmend genutzt wird.“*

*siehe auch Beiträge zur Stadtentwicklung, Bericht über das Ergebnis der vorbereitenden
Untersuchung, Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt – Soziale Brennpunkte,
Emden-Barenburg 1999


Aus diesem Anforderungsprofil – basierend auf einem Wertekonsens unserer pädagogischen
Arbeit – ergeben sich
Zielvorstellungen unserer Schule.


1. Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung

Die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung ist Ziel unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit,
zugleich aber auch Voraussetzung und Basis für gelungene Lernprozesse. Darum beziehen wir in
unsere Unterrichtsentwicklung die leistungsorientierte Sozialkompetenz mit ein.

Handlungskompetenz als Ziel schulischer Bildung und als Voraussetzung für berufliche Ausbildung
setzt Identität und persönliche Autonomie voraus. Damit treten Ich-Kompetenz und Sozial-
kompetenz als schulisches Lernziel neben die Sachkompetenz.

2. Entwicklung zur Ausbildungsfähigkeit

Der Berufswahl vorbereitende Unterricht hat die Aufgabe, den SchülerInnen zu helfen, ihre
persönliche Interessenlage zu ergründen und sie auf die Berufs- und Arbeitswelt neugierig zu
machen. Im Rahmen ihrer kognitiven und praktischen Fähigkeiten sollen sie lernen, sich in der
Berufswelt zu orientieren.

Hierbei liegt ein Schwerpunkt darin, mithilfe eines in sich geschlossenen Praktikakonzeptes die
Ausbildungsfähigkeit der SchülerInnen zu entwickeln und sie zu befähigen, unrealistische von
realistischen Berufszielen zu unterscheiden, um ihre Ausbildungsplatzchancen zu erhöhen.

3. Interkulturelles Lernen

Als Schule mit einer multikulturellen Schülerschaft wollen wir durch interkulturelles Lernen die
Herkunft unserer SchülerInnen nicht nur im Unterricht und Schulleben berücksichtigen und
einbeziehen. Zusätzlich wollen wir über den Anfangsförderunterricht hinaus ihre Situation als
SchülerInnen mit 'Deutsch als Zweitsprache' gerade auch im Fachunterricht nachhaltig verbessern.

Ergänzt werden soll dieser Aspekt der methodisch-didaktischen Unterrichtsentwicklung durch die
Berücksichtigung interkultureller Inhalte. Sie können dann als roter Faden gerade für Migranten der
2. und 3. Generation wichtige Identifikationsangebote liefern.

4. Entwicklung zur gebundenen Ganztagsschule mit Realschulzug

Aufgrund der sozialen Problemlagen im Stadtteil Barenburg soll die offene Ganztagsschule zu einer
gebundenen Ganztagsschule entwickelt werden, um den stadtteilspezifischen Anforderungen an
Schule besser gerecht werden zu können.

Ein Realschulzug an der Barenburgschule soll die Attraktivität der Schule erhöhen und zur
Aufwertung des Stadtteiles beitragen.

   
© Harms